Was tun Kinoarchitekten?

Kinoarchitekten betrachtet die Repräsentation von Orten im Film. Wie werden Orte durch filmische Mittel geschaffen? Welche Eindrücke werden dem Zuschauer vermittelt?

Das Ziel der Reise durch die filmische Welt ist die Vermittlung von Raumpräsentationen durch die Verbindung von Filmbeispielen und Text. Angelehnt an Filmanalysen beschreiben die einzelnen Beiträge diverse Orte. Von der Nachbarstadt über das nächste Urlaubsziel bis hin zu fremden Planeten sind die untersuchenswerten Beispiele vielfältig. Auf einer wissenschaftlich fundierten Basis werden dem Leser Filmbeispiele in Form von Videoclips gezeigt, welche im beigefügten Text analysiert werden. So wird das Geschriebene sofort anhand von Bildern veranschaulicht.

Kinoarchitekten bittet um rege Beteiligung und Diskussion in den Kommentarspalten unter den einzelnen Beiträgen. Auf wissenschaftlicher und konstruktiver Basis sind Anregungen sowie Kritik erwünscht, sodass die Repräsentationen der Orte aus möglichst vielfältigen Perspektiven betrachtet werden können.

Das Titelvideo des Blogs zeigt Robert De Niro, wie er durch eine aus mehreren Filmen kreierte kinematische Stadt fährt. Neben Taxi Driver finden sich folgende Filme in dem Clip: Once upon a Time in America, La Haine, Straight Outta Compton, In Bruges, Castello Cavalcanti, Blue Velvet, La Grande Bellezza, The Fall, Midnight in Paris, Lawrence of Arabia, La Isla Minima und 2001: A Space Odyssee.

Das Video soll eine Collage der Vielfältigkeit von place images veranschaulichen und dem Besucher von Kinoarchitekten als Einführung dienen. Weniger steht hierbei eine zusammenhängende Ortsvermittlung als mehr eine visuell und filmisch ansprechende Präsentation des Blogs im Vordergrund.

aktuelle Beiträge

Gotham City

Fiktive „Orte erzählen […] Geschichten, in die wir uns zuweilen ebenso hineinträumen können wie in Wolkenbilder am Himmel oder jene Landschaften, die zwischen Tag und Dämmerung unsere Aufmerksamkeit für zumindest einen Augenblick bannen können. Lassen Sie sich mitnehmen an die Orte der Fantasie …“ (Nell 2014: 8).
Mit diesen Worten schildert Werner Nell die Bedeutung fiktiver Orte, in die sich Zuschauer oder Leser oder andere Rezipienten flüchten können. Es sind Orte der Fiktion, die in seinem Atlas der fiktiven Orte im Mittelpunkt stehen und dabei wie reale Orte behandelt werden. Kinoarchitekten will es ihm an dieser Stelle gleich tun und zeigen, dass ein im Film geschaffener Ort durch Repräsentation ebenso real wirken kann, wie ein in der wirklichen Welt vorhandener Ort. Als Beispiel dient dabei die aus Comic-Literatur und Film bekannte Kulisse Gotham City in der der Held Batman seine Handlungen ausführt. Grund für diese Wahl ist die vielfältige Umsetzung sowie die umfängliche Bekanntheit des Ortes.

Amazonas

Wie schon Catherine Fowler feststellte, sind die urbanen Ort des Films im öffentlichen Diskurs in endloser Zahl thematisiert und angesprochen worden. Die fast logisch anmutende Verbindung von Film als moderne Technologie und Stadt als Zentrum für das fortschrittliche Leben drängen den ruralen Raum und seine Bilder im wissenschaftlichen Diskurs in den Hintergrund. Aus diesem Grund möchte auch Kinoarchitekten an dieser Stelle einen Perspektivwechsel eingehen und einen Blick auf genau diesen Gegensatz zwischen urban und rural richten (Fowler 2006: 1f.).

Mond

Der Mond als nächster sichtbarer Himmelskörper scheint seit Urzeiten eine enorme Faszination auf den Menschen auszuüben. Milton beschriebt dieses Phänomen in Paradise Lost als „Moon-struck madness“ (Milton 1674: XI: 485), während Pasachoff und Olson es etwas zahmer als „abiding interest in nature and visible phenomena of the world“ (Pasachoff und Olson 1999: 303) einstufen. Die Faszination verschiedener Künstler erweitert dabei die Natur der Erde um den Himmel und das Universum (Pasachoff und Olson 1999: 303), und so ist es nicht verwunderlich, dass schon zur Geburtsstunde des Films, diese auch mithilfe des Bewegtbildes festgehalten wird.

Filmanalyse

Die Notwendigkeit der Filmanalyse rührt laut Hickethier (2012: 2) aus einer nicht vernachlässigbaren kritischen Reflektion des Mediums Film. Ähnlich wie in den Literaturwissenschaften muss die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Medium der „Sensibilisierung der eigenen Wahrnehmung“ (Hickethier 2012: 3) dienen (Hickethier 2012: 2ff.). Konkret trägt dies dabei zur Aufdeckung von „Medienrealität[en]“ (Bienk 2008: 20) bei, die „Vorstellungen und Phantasien einer Gesellschaft“ (Bienk 2008: 20) transportieren und dem Betrachter häufig Repräsentation und Repräsentiertes als ein und dasselbe vermitteln. Dem Rezipienten muss bewusst sein: Diese Medienrealitäten „reproduzieren und konstruieren scheinbare gesellschaftliche Konsense und Wahrheiten“ (Bienk 2008: 20) und müssen in ihrer Konstruktion kritisch betrachtet werden (Bienk 2008: 20).

Gerade Repräsentationen von Orten stehen in den Beiträgen dieses Blogs im Mittelpunkt. Um eine angemessen verständliche Grundlage für den Leser zu schaffen, wird die grundlegende Herangehensweise der Analyse der betrachteten Filme hier veranschaulicht. Dies dient dem besseren Verständnis der Beispiele sowie der Transparenz und Nachvollziehbarkeit des dargelegten Erkenntnisgewinns.

Die in den ortsbezogenen Beiträgen durchgeführten Betrachtungen folgen dem Prinzip der Textanalyse, die nach Bienk (2008) auf der Annahme basiert, dass Film als Sprache aufzufassen ist „und audiovisuelle Formate als Texte“ (Bienk 2008: 12) angesehen werden können (Bienk 2008: 12). Filme setzten sich demnach aus verschiedenen Codes, wie etwa dem Montagecode, dem Beleuchtungscode oder dem Bildcode zusammen und sind daher als „mehrfach codierte[…] Texte“ (Bienk 2008: 13) zu bezeichnen. Der von Beil et al (2016) herausgestellte „kulturelle Code“ (Beil et al 2016: 16) bezeichnet dabei beispielsweise Merkmale repräsentierter Kulturen, die durch die Filmemacher aufgegriffen und im Film dargestellt werden. Dies betrifft etwa Kleidung und Ausdrucks- oder Verhaltensweisen oder das allgemeine Äußere von Personen sowie die Gestaltung von Gebäuden, Innen- und Außenräumen (Beil et al 2016: 16).
Umgang und Problematik des Ort- und Raumbegriffs, auch in Bezug auf cinematic place/space wird auf der Seite zum theoretischen Hintergrund behandelt und dort transparent offen gelegt.

Die Untersuchung einzelner Codes ist dabei der erste Einstieg in die Analyse, ein aussagekräftiges Ergebnis lässt sich jedoch nur im Kontext der Gesamtheit erzielen (Bienk 2008: 14). Dieses Ergebnis wird außerdem durch das Verhältnis zwischen Text und Rezipienten beeinflusst. Bienk (2008: 17) beschreibt dieses, unter Beachtung von Rezeptionsanalysen als „Wechselspiel“ und folgert, dass der Rezipient den Text durch seine Analyse mit verändern kann (Bienk 2008: 17f.). Ohne tiefer auf die Rezeptionsforschung eingehen zu wollen kann deutlich ausgedrückt werden, dass die eigene Perspektive und Rolle als Rezipient zu hinterfragen ist. Beispielsweise bietet ein kultur- und mediengeographischer Blick sicherlich breite Analysemöglichkeiten, er wird jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit andere Ergebnisse zu Tag fördern als es eine filmwissenschaftliche Analyse tut. Bei der auf diesem Blog vollzogenen Analysen steht die Herausarbeitung der Inszenierung und Konstruktion von Orten im Mittelpunkt.
Die einzelnen Instrumente, die dem Produktionsteam um den Regisseur zur Verfügung stehen und die der Rezipient in ihrer Wirkungsintention und der daraus herauszuarbeitenden Textbedeutung entschlüsseln muss, sollen im Folgenden angeführt werden (Bienk 2008: 18f.).

Film als audiovisuelles Medium setzt sich aus verschiedenen Teilbereichen zusammen, welche in eine Analyse einbezogen werden müssen. Das erste und offensichtlichste dabei ist das

Bild_Inlay

Das als fotografische Aufnahme (zumeist) zweidimensional aufgenommene „kinematographische Bild“ (Hickethier 1012: 42) wird durch unterschiedliche Stilmittel beeinflusst und als zentrales Element des Films geschaffen. Hickethier (2012) spricht dabei davon, dass es schon ursprünglich nicht die Absicht war nur das abzubilden, „was ohnehin schon zu sehen war“ (Hickethier 2012: 40), sondern darum, das darüber hinausgehende, das Abwesende zu zeigen. Er spricht dabei beispielhaft von religiösen Bildnissen oder von mit Bildern einhergehenden Geschichten, wie sie auch der Film durch Symboliken oder das Sichtbare überschreitende Zusammenhänge erzählen kann (Hickethier 2012: 39f.). Einflussfaktor auf das Bild ist etwa die Wahl des Drehortes: Es werden unterschiedliche Wirkungen erzielt, sobald statt einem Dreh on-location eine Aufnahme innerhalb eines Studios stattfindet. Dabei wirken der Einsatz von künstlichen Kulissen, Projektionen, Bluescreens oder digitalen Effekten in anderer Art und Weise auf das finale Bild, als reale Architektur und Tageslicht (Beil et al 2016: 28 – 37). Die Beleuchtung ist ohnehin ein tragender Aspekt der Bildgestaltung und dient der Komposition des Bildes, der Charakterisierung einzelner Elemente wie der „atmosphärischen und symbolischen Verdichtung der Szenerie“ (Beil et al 2016: 40) (Beil et al 2016: 39f.). Hierzu tragen ebenso Bildformat (Beil et al 2016: 57), äußerer wie innerer Rahmen (Hickethier 2012: 46) sowie die Bewegung im Bild (Hickethier 2012: 51) als auch die der Kamera bei. Die Bewegung des Sichtbaren ist dabei eng mit der Erzählung des Films verknüpft und sollte laut Hickethier häufiger auch erzählerisches Mittel sein, als nur „illustrierendes Beiwerk für eine durch Sprache vermittelte Handlung“ (Hickethier 2012: 54)(Hickethier 2012: 52ff.).

„Das ist das charakteristischste Merkmal des Films. Er reproduziert seine Bilder nicht, er produziert sie. Es ist >die Art zu sehen< des Operateurs, seine künstlerische Schöpfung“ (Balázs 1972: 37).

Die Kamera ist es, die dem Zuschauer ermöglicht in die geschaffene Szenerie Einblick zu erhalten. Die dabei erdachten Bilder zeichnen sich durch die Auswahl von Standpunkten, Distanzen, daraus resultierenden Einstellungen und Perspektiven sowie durch die eingesetzten Schwenks, Fahrten und Brennweitenänderungen aus (Hickethier 2012: 55 – 68). Der Kameramann, DoP oder Operateur ist verantwortlich für dieses Instrument. Der

Ton_Inlay

tritt im Film in drei Kategorien auf. Geräusche, Musik und Sprache erweitern die visuelle Ebene um eine auditive und verhindern dabei das entstehen von Irritationen, wie sie ein vollkommen stummes Bild hervorrufen kann. Unterschieden bei der Gestaltung des Tons wird dabei in „Sound-Effects“ (Hickethier 2012: 91), also einzelnen Geräuschen und Klängen und dem „Sounddesign“ (Hickethier 2012: 91), welches die gesamte kreative Umsetzung der Tonebene beschreibt (Hickethier 2012: 91).
Geräusche erfüllen im Film drei Funktionen, zum einen dienen sie als „Verstärkung der Illusion von Realität“ (Bienk 2008: 97), weiterhin lenken sie das Rezeptionsverhalten des Zuschauers, etwa durch den Einsatz besonders prägnanter oder lauter Geräusche oder erfüllen, zum anderen, einen symbolischen Zweck, ähnlich wie auf dies auf visueller Ebene funktioniert.

Musik erfüllt nach Bienk (2008) vier Zwecke: sie wirkt illustrierend, also das gezeigte unterstützend, veranschaulichend. Zudem dient sie dem Ausdrücken von Emotionen oder Wahrnehmungen der gezeigten Figuren, auditive Effekte veranschaulichen so Bereiche, welche das Bild nur bedingt erreichen kann. Die Wahrnehmung des Zuschauers wird ebenso durch den Einsatz oder das Fehlen von Musik beeinflusst, indem, durch passenden Einsatz, etwa Spannung aufgebaut oder entladen wird. Weiterhin ist es möglich durch die Musik das Gezeigte und Erzählte zu kommentieren und zu bewerten (Bienk 2008: 99f.). Beil et al bezeichnen die Musik außerdem als wichtiges strukturierendes Instrument innerhalb eines Films, welches Handlungsstränge verbinden oder klar trennen kann, etwa durch den Einsatz von musikalischen Übergängen oder Leitmotiven (Beil et al 2016: 164f.).

Sprache tritt im Film in gesprochener und geschriebener Form auf. Unabhängig von dieser Zweiteilung dient sie jedoch entweder der Informationsvermittlung, sprich ist Teil der Handlung, oder als Kommentar aus dem Off (Bienk 2008: 98). Beil et al (2016: 164) teilen dies in die Kategorien Dialog, Off-Kommentator und innerer Monolog ein, letztere kann dabei sowohl der Vermittlung, als auch der Kommentierung dienen. Bei der Betrachtung von Voice Overs ist außerdem nicht nur der Inhalt sondern ebenso der Sprecher zu betrachten. Eine Kinderstimme lässt das Gesagte etwa anders wirken als die Stimme eines Erwachsenen (Bienk 2008: 98). Das

Narrativ_Inlay

besitzt innerhalb eines Werkes – und auch für diesen Blog –  eine essentielle Bedeutung. So fungiert „Erzählen als Schaffung einer in sich geschlossenen Welt“ (Hickethier 2012: 108), in der alle kreierten Personen, Handlungsstränge, Formen und Symbole aufeinander Bezug nehmen und sich dem Zuschauer geschlossen präsentieren. Die geschaffene Welt soll dem Zuschauer glaubwürdig und „durch ihre audiovisuelle Anschaulichkeit und medial erzeugte Gegenwärtigkeit“ (Hickethier 2012: 109) einen, für jeden Film, eigenen Realitätscharakter aufbauen (Hickethier 2012: 108f.).
Dies kann durch den Betrachter auf drei Ebenen analysiert werden. Erstens auf der Ebene der Story: Sie beschreibt konkret die abgebildeten Figuren, Schauplätze, ihre Beziehungen und Handlungen sowie ihre Entwicklungen über die Spieldauer des Films: eine detaillierte Wiedergabe des Handlungsverlaufs. Die zweite Ebene, die sogenannte Fabel, reduziert diese Betrachtung auf die dahinter stehenden Bedeutungsschichten und Symboliken, und stellt heraus, welche Absichten und Auffassungen den Charakteren und ihren Handlungen zugrunde liegen. Die dritte Ebene, das Thema, beschreibt die grundlegende Problematik des Films und nennt sein zentrales, allgemeines Anliegen. Eine solche Betrachtung geht kaum auf detaillierte Storyelemente ein und hält seine Analyse „allgemeiner formuliert“ (Hickethier 2012: 111)(Hickethier 2012: 110f.).
Die Betrachtung eines Films oder einzelner Szenen auf diesen Ebenen ermöglicht es Repräsentationen von Orten auf verschiedenen Skalen zu betrachten und ggf. Bedeutungen und Handlungszusammenhänge abzuwägen und zu bewerten.

 


Quellen:

Balázs, B. (1972): Der sichtbare Mensch oder Die Kultur des Films. Hamburg.
Beil, B., J. Kühnel und C. Neuhaus (²2016): Studienhandbuch Filmanalyse. Paderborn.
Bienk, A. (2008): Filmsprache. Einführung in die interaktive Filmanalyse. Marburg.
Hickethier, K. (52012): Film- und Fernsehanalyse. Stuttgart und Weimar.

Theoretischer Hintergrund

Tim Cresswell und Deborah Dixon (2002) stellen sich in ihrem Werk Engaging Film die Frage, warum Geographen ihre Forschung in relativ hoher Zahl auf das Medium Film beziehen. Sie sprechen Film diverse Fähigkeiten zu: „peoples and places can be represented in as authentic a manner as possible to peers and students; a series of images and sounds that relay intersubjective meanings; a medium that allows investigation of the production of dominant ideologies“ (Cresswell und Dixon 2002: 1). Der folgende Text soll die aus geographischer Sicht interessanten und die für diesen Blog relevanten theoretischen Zusammenhänge zwischen Film und Geographie herstellen. Essentieller Begriff dabei ist das von Cresswell und Dixon auch erwähnte Konzept des Ortes (Cresswell und Dixon 2002: 1).

Der geographische Begriff von Ort und Raum hat sich über die Jahre diversen Wandlungen und Änderungen unterzogen und wurde aus verschiedenen Perspektiven nach verschiedenen Auffassungen definiert. Gerade nach Ende des 2. Weltkriegs war die Definition eher diffus und nicht konkret hinterfragt worden, was besonders in den 1990er Jahren zum sogenannten spatial turn, einer kritischen und differenzierten Auseinandersetzung mit diesem Begriff führte (Gebhardt et al 2011: 646). In diesem Abschnitt von Kinoarchitekten soll der verwendete Ortsbegriff offengelegt und veranschaulicht werden. Dieser findet in allen Beiträgen und Analysen Anwendung und ist Kernelement der Fragestellung der Kinoarchitekten.

Zentrales Konzept der den Filmanalysen zugrundeliegenden Theorie ist das von Adams (2009) formulierte „place in media“ (Adams 2009: 2). Darin definiert er „place“ – zu Deutsch wird die Übersetzung „Ort“ verwendet – als „center of meaning and attention“ (Adams 2009: 2) und grenzt ihn so vom Konzept des (abstrakten) Raums (space) ab (Adams 2009: 1ff.). Der Ort wird durch soziale Interaktionen und Beziehungen und ihre „sedimented layers of meaning“ (Adams 2009: 2) zusammengesetzt (Adams 2009: 2). Diese Ansicht bestärkt auch Massey (1994), die einen Ort als Konstrukt und Koexistenz sozialer Interaktionen und Beziehungen, von lokaler bis globaler Ebene beschreibt (Massey 1994: 115).
Adams bringt dabei die Geographien der Kommunikation ins Spiel und spricht von sogenannten „place images“ (Adams 1994: 2), welche durch Medien vermittelt werden. Er nennt beispielhaft die Beschreibung eines Ortes durch einen Telefonhörer, welche sich durch Worte, Geräusche und die Eigenschaften des Mediums zusammensetzt. Das place image „[is] brought to you through the phone“ (Adams 2009: 2): Ein Satz, welcher sich analog auf das Medium Film und die einhergehenden Eigenschaften übertragen lässt. Film als Medium bietet vielfältige Möglichkeiten der Vermittlung eines Ortsbildes (aufgrund einer fehlenden Übersetzung soll dies als deutschsprachiger Ersatz für place image dienen), welche in der Methodik der Filmanalyse ausführlich dargelegt sind. Adams besteht jedoch darauf, darauf zu verweisen, dass place images nicht nur “words, pictures, and moving pictures [beinhalten], but also hybrids of the above and other sensations” (Adams 2009: 2). Kinoarchitekten macht es sich zur Aufgabe diese „sensations“ (Adams 2009: 2) und die damit einhergehenden Repräsentationen und place images offen zu legen und zu dekonstruieren welche Orte dem Zuschauer vermittelt werden (Adams 2009: 2).
Hierbei helfen einige Ansätze wie etwa Clarkes (1997) The Cinematic City oder Fowler und Helfields (2006) representing the rural, die sich mit „the screenscapes of the ‚cinematic city'“ (Clarke 1997: 2) bzw. „the relationship between film and the rural space“ (Fowler und Helfield 2006: 1) auseinandersetzen.
Um Missverständnissen vorzubeugen und die Absichten von Kinoarchitekten deutlicher zu formulieren sollen an dieser Stelle zwei Anmerkungen angebracht werden. Die erste Anmerkung beschäftigt sich mit der Thematik des

CinematicSpace

Dieser beschreibt eine Auffassung, nach dem Film eine „Raumillusion in einem flächigen Bild mit Bewegung“ (Khouloki 2009: 9) schafft, welche für den Zuschauer einen ganz neuen Raum generiert. Dieser space „cannot be simply equated with a perspectival representation of (another) space“ (Clarke 1997: 9), da nach Clarke (1997) das Sehen des Zuschauers beim betrachten eines Films eine andere Funktion einnimmt, als der Sehsinn es sonst tut. Die Sicht erfüllt vielmehr eine „function of touching“ (Polan 1994: 252), also dient mehr dem erfühlen einer Oberfläche, den Abbildungen auf der Leinwand, als dem Einnehmen einer Perspektive.
Khouloki führt dies zurück auf die Filmaufnahme, bei der „eine Art von Perspektive und damit beim Betrachter der Eindruck von Räumlichkeit“ (Khouloki 2009: 11) entsteht, welche durch die Bewegung der Bilder und der Objekte in diesen Bildern eine noch stärkere Körperlichkeit erhält. Der Film schafft ein „in sich geschlossenes Raum-Zeit-Kontinuum“ (Khouloki 2009: 12), welches der Zuschauer durch affektive Handlungen wie etwa die Erweiterung des Sichtbaren um den Off-Raum, für sich glaubwürdig gestaltet (Khouloki 2009: 11f.). Jeder Film konstruiert die Räume seiner Handlung, aus welchen „der Zuschauer ein mit Figuren bevölkertes räumlich-zeitliches Universum“ (Zündel 2016: 13) kreiert (Zündel 2016: 13ff.). „film (re)produces a virtual space, marked by a ‚proximity without presence'“ (Clarke 1997: 9), schreibt Clarke und benennt so einen (re)produzierten virtuellen Raum, welcher ohne tatsächliche Anwesenheit trotzdem Nähe ausdrückt (Clarke 1997: 9). Laut Khouloki ist das Kino dafür der ideale Aufenthaltsort, da dieser „von visuellen und akustischen Außenreizen abgeschirmt“ (Khouloki 2009: 9) ist und der virtuelle Raum so am stärksten seine Illusion erzeugen kann (Khouloki 2009: 9).
Dieser cinematic space ist nicht Gegenstand der auf diesem Blog zu findenden Ausführungen. Seine Erwähnung dient lediglich der Vermittlung des Bewusstseins über dieses Konzept und die daraus resultierende Abgrenzung.

RunawayProductions

beschreiben eine Filmproduktion, die nicht an den im Film repräsentierten Orten sondern an einer anderen Location stattfindet. Die gefilmten Schauplätze müssen somit nicht die Realität widerspiegeln, sie „müssen den Zuschauern auf der Leinwand nur als authentische Orte erscheinen“ (Steinecke 2016: 29). Dieses Displacement ist in der Filmbranche gängig, es muss dabei so eingesetzt werden, dass der Zuschauer die Illusion nicht durchschaut, und das Gezeigte für ihn logisch erscheint (Steinecke 2016: 29). Ein Beispiel hierfür ist etwa der Spaghetti-Wester Per un pugno di dollari (Für eine Handvoll Dollar), dessen Handlung in den USA vonstatten geht. Die Location des Dreh war hingegen in Spanien angesiedelt. Zumeist sind finanzielle Aspekte ausschlaggebend für dieses Displacement (Steinecke 2016: 29f.)
Im Kontext von place images betrachtet, wird nur das im Film gezeichnete Bild eines Ortes untersucht. Die real verwendeten On- und Off-Locations beeinflussen die Repräsentation nicht. Die place images beziehen sich immer auf die Inhalte der Story und des Films, nicht auf externe Kontexte oder Produktionsvorgänge.

Beide Anmerkungen sollen dem Leser einige Unklarheiten offen legen, welche im Vorfeld der Konzeption dieses Blogs aufgetreten sind. Besonders Rückfragen und Anmerkungen innerhalb eines Begleitseminars gaben Hinweise zu den möglichen Verwirrungen um diese Begrifflichkeiten und Umgänge. Das Medium des wissenschaftlichen Blogs ist offen und dennoch seriös genug, um solche Problematiken in kurzer Form anzusprechen.

 


Quellen:

Adams, P. C. (2009): Geographies of Media and Communication. Malden.
Clarke, D. B. (1997): The Cinematic City. Abingdon und New York.
Cresswell, T. und D. Dixon (2002): Engagning Film. Geographies of Mobility and Identity.
Fowler, C. und G. Helfield (2006): representing the rural. space, place, and identity in Films about the Land. Detroit.
Gebhardt, H., R. Glaser, U. Radtke und P. Reuber (Hrsg.) (2011): Geographie. Physische Geographie und Humangeographie. Heidelberg.
Khouloki, R. (2009): Der filmische Raum. Konstruktion, Wahrnehmung, Bedeutung. Berlin.
Massey, D. (1994): Double Articulation. A Place in the World. In:  Bammer, A. (Hrsg.) (1994): Displacements. Cultural Identities in Question: 115 – 123.
Polan, D. (1994): Francis Bacon. the logic of sensation. In: Boundas, C. V. und D. Olkowski (1994): Gilles Deleuze and the Theatre of Philosophy: 229 – 254.
Steinecke, A. (2016): Filmtourismus. Konstanz und München.
Zündel, J. (2016): An den Drehschrauben filmischer Spannung. Zeit und Raum bei Alfred Hitchcock. Stuttgart.
Steinecke, A. (2016): Filmtourismus. Konstanz und München.

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